DER JAGUAR E-TYPE WIRD 50

21. März 2011 | Von | Kategorie: AUTO-CLASSICS, AUTOMOBILE + FAHRZEUGE

EINE LEGENDE WIRD 50 JAHRE JUNG

Für Jaguar erwies sich der am 15. März 1961 in Genf enthüllte XK-Nachfolger, der E-Type,  nicht nur als Image-Träger, sondern auch als kommerzieller Erfolg. In 14 Jahren erlagen weltweit über 72.500 Käufer den Reizen des als Coupé und Roadster erhältlichen Modells. So wurde der zunächst nur in einer Auflage von 1.000 Stück angedachte E-TYPE zu einem der ersten in großen Stückzahlen produzierten Vollblut-Sportler. Seit 1996 ziert die Designikone die Dauerausstellung des New Yorker Museum of Modern Art.

Er war der Inbegriff des zeitgenössischen Sportwagens reinster Couleur. Showgrößen und Top-Sportler buhlten darum, sich im Glanz des revolutionär neuen Jaguar E-TYPE sonnen zu dürfen. Zu den prominenten E-Type-Besitzern zählten unter anderen der Fußballer George Best, die Leinwand-Größen Brigitte Bardot, Tony Curtis und Steve McQueen sowie der surrealistische Maler Salvador Dalì. Für die Swinging Sixties stand der E-TYPE ebenso als Symbol wie die Beatles oder der Mini-Rock.

Die Resonanz auf das am 15. März 1961 im Genfer Parc des Eaux Vives vor rund 200 Journalisten präsentierte E-TYPE Coupé war überwältigend. Der erste Anblick löste bei Menschen mit Benzin im Blut eine Kettenreaktion im Gehirn aus. Auf dem Jaguar-Stand gingen danach 500 Bestellungen für einen E-TYPE ein. Kein Wunder, war er mit 25.000 Mark doch nur halb so teuer wie ein Aston Martin DB4 oder Ferrari 250 GT. Bei der offiziellen Präsentation des Roadsters in New York im April 1961 waren schon eine halbe Stunde nach Öffnen der Messetore sechs Exemplare verkauft!

Jaguar E-TYPE

Der schnell zur Design-Ikone reifende E-TYPE verströmte eine unwiderstehliche Aura aus Kraft, Eleganz und Sinnlichkeit. Die extrem lange Motorhaube mit den unter Plexiglasabdeckungen sitzenden Scheinwerfern, die beim Service nach vorn klappende Haube und das revolutionäre „Fastback“ mit seitlich angeschlagener Hecktür setzten ebenso wie die keck nach oben gebogenen Auspuffendstücke neue Trends.

Die betörende Form schuf Malcolm Sayer – Designer der Le Mans-Sieger von Jaguar

Für das atemberaubende Design des Jaguar E-TYPE war mit Malcolm Sayer ein Luftfahrtingenieur verantwortlich, der seine aerodynamische Expertise schon zuvor bei den Le Mans-Siegerwagen C- und D-TYPE hatte einfließen lassen. Radikal neu war zum Beispiel die von Sayer erdachte hintere Einzelradaufhängung – mit je einem Längslenker und zwei Federbeinpaketen pro Seite sowie als obere Querlenker fungierenden Antriebswellen. Rundum verzögerten Scheibenbremsen den E-TYPE – hinten waren sie zwecks Senkung der ungefederten Massen innen angeordnet. Der unter einer endlos langen Motorhaube installierte Sechszylinder holte aus 3,8 Litern Hubraum 265 PS bei 5.500/min. Gefüttert wurde er von drei Vergasern, ein Vierganggetriebe leitete die Kraft auf die Hinterachse.

Mit einer vom Werk angegebenen Höchstgeschwindigkeit von 240 km/h verdiente sich der E-TYPE wie zuvor der XK120/150 das Prädikat „schnellster Serienwagen der Welt“. Das englische Fachmagazin The Motor maß bei Testfahrten mit einem E-TYPE Roadster eine Beschleunigung von 0 auf 96 km/h (60 Meilen) in 7,1 Sekunden.

Im Oktober 1964 ersetzte Jaguar den 3,8-Liter-Motor durch den 4,2 Liter aus der neuen Limousine Mark X. Das maximale Drehmoment stieg von 348 auf 380 Nm bei 4.000/min, was mehr Durchzug im unteren und mittleren Drehzahlbereich einbrachte. Die Motorleistung dagegen blieb identisch. Exportmodelle wurden erstmals mit einer Klimaanlage bestückt, und für den Roadster gab es ein abnehmbares Hardtop.

Im Frühjahr 1966 erschien vor allem auf Wunsch der amerikanischen E-TYPE-Klientel der E-TYPE 2+2. Ein um fünf Zentimeter verlängertes Coupé mit um 23 Zentimeter gestrecktem Radstand, 3,8 Zentimeter höherem Dach und zwei Notsitzen im Fond. Erstmals gab es für den „Two plus two“ optional auch eine Dreigang-Automatik. Leider brachte der E-TYPE für die Klein-Familie nun 100 Kilo mehr auf die Waage, was laut The Motor die Höchstgeschwindigkeit auf 219 km/h drückte. Beim Spurt von 0 auf 100 km/h vergingen jetzt fast neun Sekunden.

Serie II mit frei stehenden Scheinwerfern, Serie III mit mächtigem V12

Der Oktober 1968 sah das Debüt der Serie II des E-TYPE. Auffälligste Änderungen waren die nun frei stehenden und leuchtstärkeren Scheinwerfer, ein um 70 Prozent vergrößertes Kühlermaul sowie eckige Blinker und Rückleuchten. Die waren nun unter- statt oberhalb der nunmehr durchgezogenen Stoßstangen montiert. Modifikationen auch am Heck: Die Auspuffrohre rückten auseinander, die Kennzeichenhalterung wanderte nach unten.

Im März 1971 betrat dann der ultimative Jaguar E-TYPE die Bühne: Die ausschließlich mit einem neu entwickelten 5,3 Liter-V12 ausgestattete Serie III. Mit 276 PS bei 5.850/min und einem Drehmomentgipfel von 408 Nm bei 3.600/min stand diese Katze bestens im Futter. Dank einer Voll-Aluminium-Bauweise wog das von Harry Mundy und Walter Hassen, dem „Vater“ des Coventry Climax-Formel 1-Motors konstruierte Kraftwerk nur 36 Kilo mehr als der frühere Sechszylinder. Weitere technische Feinheiten des Serie III waren die vier Zweistufen-Fallstromvergaser von Zenith, eine elektronische Transistorzündung und innen belüftete vordere Scheibenbremsen. Der Roadster übernahm ab 1971 den langen Radstand des 2+2, das kurze Coupé strich Jaguar im Gegenzug ganz aus dem Programm.

Der verchromte Kühlergrill mit sechs horizontalen und vier vertikalen Streben verlieh dem Serie III E-TYPE optisch einen Hauch Ferrari. Die Spurverbreitung um 82 mm und größere Reifen erforderten aufgesetzte Kotflügelverbreiterungen. Am Heck ließen vier Auspufftatzen den Zwölfzylinder erahnen – nur die US-Version musste sich mit zwei Endrohren begnügen.

Die Europa-Version absolvierte den 0-100 km/h-Sprint in 6,4 Sekunden und kratzte wieder erfolgreich an der 240 km/h-Marke. Das US-Modell mit nur 250 PS büßte 17 km/h und eine volle Sekunde für den Sprint ein. Trotzdem resümierte das amerikanische Fachblatt Car and Driver: „Jaguar hat es fast geschafft, einen Ferrari zum halben Preis anzubieten!“

Fast 70 Prozent aller E-TYPE gingen nach Amerika

Bis zum April 1975 hatte Jaguar 20.297 zweisitzige und 18.222 2+2-sitzige Coupés produziert, dazu kamen 33.996 Roadster. Das Gros – gut 49.000 Einheiten – fand den Weg in die Vereinigten Staaten. Noch heute sind weltweit über 30.000 E-TYPE zugelassen und bei Oldtimer-Meetings oder Schönheitswettbewerben die Lieblinge vieler Classic Car-Fans.

Bei Auktionen erzielen E-TYPE Roadster der ersten Serie und Cabrios mit V12-Power die höchsten Preise, am günstigsten sind 2+2-Coupés der Serien II und III. Als Faustregel gilt zudem: Roadster sind um die Hälfte teurer als Coupés, und ein E-TYPE mit abgedeckten Scheinwerfern genießt in jedem Fall mehr Ehrfurcht als einer mit freistehenden.

1996 wurde der Jaguar E-TYPE auch von quasi höchster Stelle als Kunstwerk anerkannt: Seitdem ziert ein stahlblauer Roadster als eines von ganz wenigen Automobilen die Dauer-Ausstellung des berühmten New Yorker Museum of Modern Art.

Quelle: Jaguar

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