Opel-Verkauf geplatzt
4. November 2009 | Von admin | Kategorie: MOBILITÄTEN, OPEL-News
Gemüter kochen hoch
Geändert hat sich an der Bedrohungslage für Opel durch den in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch (03. auf 04.11.2009) abgeblasenen Verkauf an Magna nicht viel.
Fachkreise sind jedoch der Meinung, dass für die Belegschaft eine mit allen finanziellen Ressourcen ausgestattete, mehrheitlich in Staatsbesitz befindliche GM allemal besser ist als ein Wackelkonsortium, dessen wesentlicher Partner ein marodes russisches Automobilunternehmen ist. Laut Insidern wird der befürchtete Stellen-Aderlass ausbleiben.
Drei Mrd. Euro zur Sanierung nötig
Die Ankündigung von GM, den geplanten Verkauf an Magna in letzter Minute nun doch abzublasen, stößt bei Opel und der Bundesregierung hingegen auf Unverständnis und Bedauern. Das Ziel von GM besteht darin, Opel in Eigenregie zu sanieren. Die Opelaner fürchten um den weiteren Erhalt der Werke in Bochum, Kaiserslautern und Antwerpen. Wie GM-Chef Fritz Henderson sagte, will man den Restrukturierungsplan deutschen und anderen europäischen Regierungen bald vorstellen. Der Plan kostet rund drei Mrd. Euro.
Bundesregierung fordert Brückenfinanzierung zurück
Nachdem die Übernahme Opels durch Magna so gut wie sicher schien, ist die Zukunft nun wieder offen. Die deutsche Regierung, die sich sechs Monate lang intensiv um eine Lösung bemüht hatte, reagiert enttäuscht. Über Regierungssprecher Ulrich Wilhelm ließ diese mitteilen, man erwarte von Detroit, dass die Brückenfinanzierung von Bund und Ländern über 1,5 Mrd. Euro fristgerecht zurückbezahlt werde. Zudem hofft Berlin, dass man die Leistungsfähigkeit Opels stärkt und sanierungsbezogene Anpassungen auf ein “unverzichtbares Mindestmaß begrenzt”.
“Wer der Annahme ist, dass GM mit ausreichenden finanziellen Ressourcen in der Zukunft ausgestattet sein wird, der irrt gewaltig. Die Amerikaner haben den europäischen Markt noch immer nicht verstanden. Ich gehe nicht davon aus, dass Detroit die von der Bundesregierung versprochenen Kreditbürgschaften über 4,5 Mrd. Euro erhalten wird”, sagt Automobilinsider Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen.
Ähnlich sieht dies Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz. Denn mit Magna gebe es für die Politik eine Alternative, sodass man sich nicht erpressen lassen wird.
Entrüstung bei Opel-Belegschaft
Das Aus für eine Magna-Lösung bedeutet auch, dass das Angebot der europäischen Opelaner, auf jährlich rund 265 Mio. Euro Lohn zu verzichten, nun überflüssig geworden ist. “GM geht im Alleingang große finanzielle Risiken ein. Opel wird wieder und immer wieder kaputtrestrukturiert werden – dies führt zur kontinuierlichen Demotivierung der Belegschaft”, erläutert Dudenhöffer. “Die Alternative zur Absage des Deals wäre Magna als Zulieferer gewesen, dem in Scharen die Kunden davon laufen sowie eine skurrile Sberbank, bei der Finanzierungen mehr als fraglich wären”, entgegnet Becker abschließend.
Foto: Opel

