Scuderi-Motor weckt Hoffnungen

22. April 2009 | Von | Kategorie: MOBILITÄTEN, TECHNIK-News

Wirkungsgrad stößt auf großes Interesse in der Autoindustrie

Der Prototyp eines neuen Motors, des Scuderi Split-Cycle-Motors, macht zurzeit Furore. Dabei handelt es sich um einen 1-Liter-Benzinsaugmotor, in dem die vier Arbeitstakte eines herkömmlichen Motors – Einlass, Kompression sowie Verbrennung und Auslassen – auf zwei Zylinderpaare verteilt werden. Damit hat Scuderi einen großen Schritt in Richtung einer massiven Reduktion des Stickoxidausstoßes gemacht. Bei dem durch die Bauart potenziell wesentlich höheren Wirkungsgrad des Motors wird auch eine fünfzig prozentige Reduktion des Kraftstoffverbrauchs erreicht. Die von Patenten geschützte Entwicklung des in Massachusetts ansässigen Unternehmens stößt auf breites Interesse in der Kraftfahrzeugindustrie, da sich Entwicklungs- und Produktions- kosten im Vergleich zu alternativen Antriebsquellen in Grenzen halten.
Der Wirkungsgrad eines durchschnittlichen Verbrennungsmotors liegt derzeit nur bei rund 35 Prozent. Ein Großteil der Energie geht in Form von abgegebener Hitze oder als unverbrannter Kraftstoff über den Auspuff verloren. Beim Scuderi-Motor übernimmt ein Zylinder das Ansaugen und Verdichten, der andere das Verbrennen und Ausstoßen des Abgases. Ein Ventilsystem verbindet beide Zylinder, worüber die hochverdichtete Luft in den zweiten Zylinder gelangt. Dadurch können beide Zylinder für ihre jeweilige Aufgabe optimiert werden, sodass im Zuge des Verdichtungsprozesses ein Druck von 50 bar erreicht wird. Vorteil dieser extremen Luftverdichtung: Der Kraftstoff wird, sobald die Luft in den zweiten Zylinder gelangt, erst nach dem Erreichen des oberen Totpunkts ge- zündet. Dies alleine verspricht eine Effizienzsteigerung von 20 Prozent und eine massive Reduktion der Stickoxidwerte, kündigte Lutz Deyerling, Vice President von Scuderi Europe, im Spiegel an. Die Prognosen stützten sich jedoch bislang ausschließlich auf Computersimulationen.

„Das Projekt wurde uns im Rahmen einer kompakten Präsentation bereits vorgestellt. Volks-wagen ist grundsätzlich für jegliche Ansätze zur Reduktion von Schadstoffemis- sionen oder für Effizienzsteigerungen in der Motorentechnologie offen“, sagt Peter Weisheit, Technologie-Sprecher bei Volkswagen Deutschland.

Mit der Robert Bosch AG lieferte ein führender Zulieferer im Automotivbereich Kompo- nenten an Scuderi. Auch Daimler, Peugoet/Citroen und Honda haben Nichtpreisgabe- abkommen mit Scuderi geschlossen, um die Technologie erforschen zu können.

Die Scuderi-Technologie ließe sich auch mit geringem finanziellen Aufwand zu einer Drucklufthybridmaschine erweitern. Dafür müsste lediglich ein permanenter Druckluft- speicher zwischen die beiden Zylinder geschalten werden. Jedenfalls wird eine Steige- rung des Motorwirkungsgrades des Motors um 40 Prozent in Aussicht gestellt. Der Prototyp wird im Rahmen der Stuttgarter Engine Expo Messe im Juni in Deutschland vorgestellt. Auch die Prüfstandsdaten sollen bis dahin vorliegen. Firmengründer Carlo Scuderi war eigentlich Experte für Thermodynamik. Da die von ihm entwickelte Technik jedoch auf herkömmliche Verbrennungsmotorentechnologie aufbaut, könnten im Falle der Marktreife Milliarden Euro an Entwicklungs- und Produktionskosten eingespart werden.
Quelle & Fotos: obs/theScuderiGroup

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